Die Elbvertiefung gefährdet den Schiffsbau auf der Pella- Sietas Werft in Neuenfelde

 

Presseinfo BÜNDNIS 90 DIE GRÜNEN-Harburg

Die Elbvertiefung gefährdet den Schiffsbau auf der Pella- Sietas Werft in Neuenfelde

Hamburg Port Authority verbietet der Werft das Freispülen der Hafenbecken und Docks. Durch die Verschlickung im Mühlenberger Loch und in der Este sind die Arbeitsplätze auf der Pella-Sietas Werft und der Hochwasserschutz im Süderelberaum in Gefahr.

Die Sietas Werft in Neuenfelde ist einer der der ältesten Hamburger Betriebe. Bis zur Schifffahrts- und Finanzkrise 2008 wurden in den besten Zeiten bis zu 1500 Mitarbeiter beschäftigt und es liefen 1-2 Feeder – Containerschiffe im Monat vom Stapel. Die Werft geriet 2011 in die Insolvenz und die Stadt Hamburg übernahm mit der HSH Nordbank millionenschwere Bürgschaften. Die Stammwerft konnte 2014 an die russische Werftengruppe Pella Shipyard verkauft werden, unter der Bedingung, die nächsten 8 Jahre den Schiffbau am Standort zu garantieren. Seither werden wieder neue Mitarbeiter eingestellt. Zurzeit sind es 130 Mitarbeiter, das Ziel sind 400 Mitarbeiter im Laufe des nächsten Jahres. Ab Mai 2015 soll mit dem Bau von Spezialschiffen für die Arktis wie Schlepper, Versorger und Eisbrecher gebaut werden. Die Werft hat weltweit einen ausgezeichneten Ruf und ist mit Fachkräften, die teilweise als Rückkehrer auf der Werft arbeiten, erstklassig aufgestellt.  Das Problem ist jedoch die Verschlickung der Außen- und der Binneneste, sowie der Hafenbecken. Am 8.12. war Fridtjof Rohde, Mitglied der Geschäftsführung der Pella-SietasWerft auf Einladung des Arbeitskreises Cranz zu Gast in Cranz. Er berichtete, dass die Docks auf der Werft gar nicht in Betrieb genommen werden können, weil die Binneneste und die Hafenbecken verschlickt sind. Es haben sich inzwischen rund 300 000 qm Schlick unmittelbar vor der Werft abgelagert. Um Schiffe bauen und ausliefern zu können, wollte man mit den Wasserinjektionsverfahren die Zufahrt freispülen. Das wurde jedoch von Hamburg Port Authority (HPA) untersagt, weil die Befürchtung besteht, dass das 2011 bereits durch Sedimentablagerungen havarierte Estesperrwerk erneut Schaden nehmen könnte.

Dr. Gudrun Schittek, Bürgerschaftskandidatin von Bündnis 90 / DIE GRÜNEN im Wahlkreis 17, Süderelbe, sagt dazu: “Das Tidal-Pumping oder auch Tidedynamikumkehr genannt ist durch die letzten Elbvertiefungen immer mehr verstärkt worden. Aus dem Unterlauf der Elbe werden bei Flut großen Mengen an Sedimenten flussaufwärts gespült. Nach Beobachtungen kommt pro Tag 1cm zusätzlicher Schlick hinzu, der sich u.a. im Mühlenberger Loch und in der Binneneste ablagert. Hierdurch ist sowohl der Werftbetrieb gefährdet als auch der Hochwasserschutz bedroht, da sich im Torbereich des Estesperrwerks immer mehr Sedimente ablagern. Und es reicht selbstverständlich nicht aus, nur im unmittelbaren Sperrwerksbereich die Tiefe für die Fluttore frei zu halten, wenn sich davor und dahinter inzwischen ein Watt gebildet hat. Keine der zuständigen Behörden übernimmt die Verantwortung. Das Wasser- und Schifffahrtsamt des Bundes legt nur die Fahrwassertonnen und hält eine Wassertiefe von 70 cm für ausreichend. Die Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation mit der Hamburg Port Authority sollte die Funktion des Estesperrwerks sichern und den Werftbetrieb garantieren. Aber es gibt offensichtlich keinen Plan, wie es in Zukunft weiter gehen soll. Sowohl die Bewohner im Süderelberaum werden in Sachen Hochwasserschutz allein gelassen als auch die Pella- Sietas Werft, die im nächsten Jahr Schiffe bauen will. Die Erhaltungsbaggerei der Elbe kostet im Jahr rund 100 Millionen Euro und durch eine weitere Elbvertiefung kommen noch höhere Kosten hinzu. Der Hochwasserschutz an der Este und im Süderelberaum und der Schiffbau der Pella-Sietas Werft bleiben auf der Strecke.“