Reparatur-Index oder -Score

In der 22. Sitzung der 23. Hamburger Bürgerschaft wurde als Tagesordnungspunkt 28 über die Rückmeldung der Behörde für Verbraucherschutz mit Drucksache 23/3731 auf den Antrag 22/17213, hier Punkt G, die Einführung von Reparatur-Scores debattiert. Für meine Grüne-Fraktion durfte ich als Sprecherin für Verbraucher*innenschutz meinen nachfolgenden Debattenbeitrag leisten:

Frau Präsidentin, liebe Kolleg*innen,

worauf achten Sie, wenn Sie einen Kühlschrank oder eine Waschmaschine kaufen?

Seit es die Energieeffizienz-Klassen A bis G gibt von Grün bis Rot, ist der Energieverbrauch für die allermeisten Menschen ein wichtiges Kriterium geworden. Es liegt auf der Hand, dass diese Information für Verbraucher*innen schon immer relevant war. Aber erst seit die Produkte klar gekennzeichnet werden, können wir uns bei unserer Kaufentscheidung auch nach dem Energieverbrauch richten.

Aber es gibt noch andere Kriterien?

Wissen Sie was geplante Obsoleszenz ist?

Geplante Obsoleszenz bezeichnet die absichtliche Verkürzung der Lebensdauer von Produkten durch Hersteller, um den Absatz neuer Waren anzukurbeln. Dies geschieht durch bewussten Verschleiß, minderwertige Materialien, erschwerte Reparaturen oder technisches Veralten, wodurch Produkte schneller defekt oder nutzlos werden als technisch notwendig oder bsw Software-Updates ,die ältere Geräte verlangsamen.

Dem soll der Reparatur-Score entgegenwirken. Was ist, wenn das teure Smartphone runterfällt und auf Stein aufprallt – oder ins Wasser fällt?

Die Reparierbarkeit spielt hier eine wichtige Rolle, neben der Lebensdauer, der Wiederverwendbarkeit oder dem CO2-Fußabdruck.

Diese Informationen werden in den kommenden Jahren für immer mehr Produkte im digitalen Produktpass zusammengeführt. Er umfasst Informationen über Materialzusammensetzung, Nachhaltigkeit, Reparierbarkeit und Recyclingfähigkeit von Produkten über deren gesamten Lebenszyklus.

Zusätzlich gibt es den schnell und einfach lesbaren Reparaturindex.

Genau wie die Energieeffizienz-Klassen soll der Reparaturindex gut sichtbar auf den Produkten zu finden sein. So erhalten wir als Verbraucher*innen ohne Mühe oder zusätzliche Klicks die relevante Information, wie gut sich ein Produkt reparieren lässt, bevor wir es kaufen.

Für Smartphones und Tablets wurde diese Idee bereits umgesetzt. Hier werden seit Juni 2025 Reparierbarkeitsklassen (von A bis E) auf dem EU-Energielabel ausgewiesen.

Es fällt auf: teure Geräte schneiden nicht unbedingt gut ab.

Apple ist sowohl in der Kategorie Smartphones als auch bei den Laptops offenbar die Marke mit den am schlechtesten reparierbaren Geräten. Aber auch Samsung ist bei Smartphones nicht viel besser.

Reparierbarkeit muss bei jedem Produkt unterschiedlich definiert werden. Hier steckt also viel Arbeit im Detail.

Bei Smartphone und Tablets gilt:

  • Wie ist die Zerlegungstiefe des Produkts,
  • wie ist das Material im und am Produkt befestigt,
  • welches Werkzeug wird bei einer Reparatur benötigt,
  • sind Ersatzteile verfügbar,
  • und wie lange stehen Updates zur Verfügung?

Das neue EU-Label für Smartphones und Tablets enthält außerdem noch einen Score zur Haltbarkeit nach einem Aufprall, sowie Informationen zur Batterielaufzeit und zur Beständigkeit gegen Feuchtigkeit und Schmutzpartikel.

Über das EU-Label werden also viele relevante Informationen für die Kaufentscheidung auf einen Blick transparent gemacht. Die Energieeffizienz bleibt das optisch am stärksten hervorgehobene Kriterium.

Es gibt allerdings auch Kritik am Reparaturindex der EU. Beispielsweise werden Reparaturkosten und Kosten für Ersatzteile nicht in die Bewertung einbezogen.

Die Kosten sind im Fall einer möglichen Reparatur natürlich ein entscheidender Faktor.

Neben der Verbraucherinformation geht es auch um einen Anreiz für die Unternehmen, die Reparierbarkeit ihrer Produkte überhaupt in den Blick zu nehmen. Denn der schnelle Neukauf ein ja oft Teil des Geschäftsmodells. Und damit auch die Verschleuderung wertvoller Ressourcen.

Mit dem Reparaturindex erhalten wir als Verbraucher*innen die Chance, dem Geschäftsmodell des schnellen Wegwerfens schon beim Kauf der Produkte etwas entgegen zu setzen.

Deshalb danke ich Senatorin Gallina, dass sie das Thema auf der Konferenz der Verbraucherschutzminister*innen platziert hat und sich für den EU-weiten Reparaturindex weiter einsetzt.

Vielen Dank!