Neue S-Bahn Züge für den Ausbau der S Bahn Linie 3 (S32) von Harburg zum Hauptbahnhof

Antragstext

Die S 3 ist die am meisten frequentierte S-Bahn Linie in Hamburg. Die Situation ist für die Fahrgäste zum Teil nicht mehr zumutbar. Die Züge von Harburg zum Hauptbahnhof sind in Hauptverkehrszeiten so überfüllt, dass ab Hammerbrook zum Teil keine Fahrgäste mehr zusteigen können. Der Ausbau der S 3 ist zwar ab Dezember 2018 mit einem schrittweisen Ausbau mit Langzügen geplant. Diese Züge sollen mit neun statt sechs Waggons fahren. Damit soll eine Kapazität von heute 4800 auf 6000 Sitzplätze je Stunde und Richtung erhöht werden. Hinzu käme noch eine gleiche Anzahl an Stehplätzen. Damit wäre jedoch nur das Defizit, dass zurzeit besteht, abgedeckt. Das geht aus der Antwort zu unserer Anfrage vom November 2017 Drs 20-3312 hervor.  Es kommen jedoch durch den Ausbau der neuen Baugebiete in Süderelbe sowie Neubau in Neu Wulmstorf und weiteren niedersächsischen Gemeinden in absehbarer Zukunft eine hohe Anzahl an Fahrgästen hinzu.

Auf den ersten Blick wirkt diese Leistungsausweitung um 7 Zugfahrten je Hauptverkehrszeit mit einem zusätzlichen Zug (Langzug statt Vollzug) als gute Lösung. Wirft man jedoch einen Blick auf die Zahlen folgt schnell Ernüchterung.

Was bedeuten diese zusätzlichen Fahrten für den Stadtteil? Eingesetzt werden Züge der neuen Baureihe 490, die bis Ende 2019 geliefert wird. Jeder dieser Züge bringt eine Kapazität von 190 Sitzplätzen und 280 Stehplätzen mit sich. Mithin können also bei 7 zusätzlichen Fahrten in Richtung Hauptbahnhof ca. 3.300 Menschen mehr als bisher transportiert werden. Geht man von den angegebenen 14 Fahrten zur Hauptverkehrszeit aus, so werden diese bisher von einer 2er Traktion der Baureihe 474 durchgeführt. Diese haben eine Kapazität von 514 Personen je Zug, bei 2 Zügen also 1028. Rechnet man 14 Fahrten S3 und 14 Fahrten S31 die parallel in Neugraben fährt so können also theoretisch bisher knapp 28.800 Personen in der Hauptverkehrszeit in Richtung Hauptbahnhof befördert werden können. Die zusätzlichen 3.300 Personen stellen also eine Steigerung von 11% dar und nicht wie in den Medien bisher vorgegeben 20% oder gar 25% (hier wurde wohl nur die S3 allein verglichen ohne die parallel Verlaufende S31 zu berücksichtigen).

Wie viele Fahrgäste kommen zusätzlich? In einer Verkehrszählung zwischen 2005 und 2009 wurden im Bereich Fischbek / Neugraben / Neuwiedenthal 13.500 Einstiege pro Tag in Richtung Hauptbahnhof gezählt. Bei ca. 41.000 Einwohnern in den anliegenden Stadtteilen Neugraben-Fischbek und Hausbruch bedeutet das eine Quote von 30% der Einwohnern die täglich die S-Bahn benutzen. In den 3 Neubaugebieten Neugraben-Fischbeks werden bis 2023 ca. 12.000 neue Einwohner dazukommen. Dazu kommen weitere Neubauten sowie die etwa 1.500 Flüchtlinge im Stadtteil. Rechnet man mit der bisherigen Quote so wird die nachgefragte Verkehrsleistung allein durch diese Einwohner um ca. 4.000 Plätze in der S-Bahn steigen. Dadurch wird die angebotene Ausweitung der Kapazität durch den Einsatz von Langzügen wieder aufgebraucht, wenn nicht sogar überschritten.

Was bringen die neuen Züge? Neben deutlichen Komfortgewinnen z.B. durch eine Klimaanlage haben die neuen Baureihen aber auch eine geringere Beförderungskapazität. So hat ein Langzug der Baureihe 490 etwa 132 Sitz- bzw. Stehplätze weniger als ein gleicher Langzug der Baureihe 474. Auf alle 14 Fahrten der Linie S3 in der Hauptverkehrszeit gerechnet kann es so zu einem Kapazitätsverlust von 1.850 Plätzen kommen. Fährt irgendwann die S31 auch mit der neuen Baureihe so kann sich der Verlust auf ca. 3.100 Plätze summieren.

Fazit: Der durchgängige Einsatz von Langzügen auf der S3 in der Hauptverkehrszeit wird zu einer Kapazitätsausweitung von 11% bzw. 3.300 Plätzen zu der bisherigen Verkehrsleistung führen. Das zusätzliche Angebot wird durch die Nachfrage der Neubaugebiete von bis zu 4.000 Plätzen sofort konsumiert. Zusätzlich besteht die Gefahr, dass durch das Design der neuen Baureihe 490 bis zu 3.100 Plätze in der Hauptverkehrszeit wegfallen. Bestehende Kapazitätsprobleme in Neugraben-Fischbek werden so bestenfalls konserviert. Eine Entlastung für den Bereich Harburg-Hauptbahnhof ist illusorisch.

Um für diese höheren Fahrgastzahlen ein adäquates Angebot zu machen, ist der Ausbau der am stärksten belasteten Strecke von Harburg Rathaus bis zum Hauptbahnhof mit einer dritten Linie(S32) mit einem ca. 3 ½ Minuten Takt notwendig. Die technischen Voraussetzungen sind vorhanden bzw. sind realisierbar. Es müssten aber weitere neue Züge bestellt werden.

Die Zeit läuft. Die Option für die Bestellung neuer Züge läuft laut Vertrag zwischen der S-Bahn und der Freien und Hansestadt Hamburg zum Ende September aus. Die neuen S-Bahn Züge werden bei Bombardier in Salzgitter bestellt. Wenn Hamburg diese Option nicht wahrnimmt, wird die Produktionsstraße im Bombardier Werk umgebaut und es werden zunächst andere Aufträge abgearbeitet. Hamburg müsste sich erstens hinten anstellen und verliert damit viel Zeit und zweitens wäre die Produktion erheblich teurer.

Die Bezirksversammlung möge beschließen:

Die Bezirksversammlung möge beschließen

Der Senat der Freien und Hansestadt Hamburg wird aufgefordert, die Option zur Bestellung von zusätzlichen S-Bahn Zügen für ein Verstärkerlinie der S3 (S 32) von Harburg Rathaus bis Hauptbahnhof zur Sicherstellung eines ca. 3 ½ Minuten Takts in den Hauptverkehrszeiten wahrzunehmen.

Übersicht

Antragsteller*In Britta Herrmann und Dr. Gudrun Schittek
Status weitere Infos zu diesem Antrag in Informationssystem der Bezirksversammlung unter Drucksache 20-3794 hier
Datum  04.05.2018

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